Regional-Info

Die Top 11 des scheidenden HESO-Präsidenten Urs Unterlerchner

» Mehr

Kopf der Woche

Rennsäuli-Weltmeisterin Luisa HämilTöneli im Exklusiv-Interview

» Mehr

Werbung

Inserieren in der Solothurner Woche - Wir beraten Sie gerne

» Mehr
Rennsäuli-Weltmeisterin Luisa HämilTöneli im Exklusiv-Interview

«Rennsäuli in der Formel Schweins zu sein, ist ein saumässig cooler Job»


Luisa HämilTöneli ist ein erfolgreiches Rennsäuli: «Wir haben ein privilegiertes Leben», sagt es.

Die Formel Schweins zählt zu den populärsten,  einheimischen Rennserien. Was der GP von Monaco in der Formel 1, ist die HESO in der Formel Schweins. Der Saisonhöhepunkt. 10 Tage Racing pur, tobende Fans, rauchende Klauen, grunzende Motoren,  Hightech vom Feinsten, Wettfieber und Feststimmung rund um die Rennstrecke. Im Interview der Woche spricht Weltmeisterin Luisa HämilTöneli u.a. über Extrawürste, Ringelschwanz-Diffusoren, das voll fette Leben nach der Karriere, die Massentierhaltungsinitiative, das besonderen HESO-Feeling und davon, dass jedes Schwein im Leben Schwein braucht.

 

 

Luisa HämilTöneli, wie wird man Rennsäuli in der Formel Schweins?

Grunz … das ist wie so oft im Leben. Es braucht ein Quäntchen Glück, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Unser Trainer und Aufzüchter, Alfred Vogt, wählt uns jeweils bei einem befreundeten Züchter aus.

Nach welchen Kriterien?

Der Bauer vom Bronnehof sagt, er achte u. a. auf unsere Zeichnung, die Lackierung sozusagen. Einige von uns haben Flecken, was für Abwechslung sorgt. Aber auch die Stotzen und Haxen werden begutachtet.

Vorder- und Hinterhamme sind sozusagen Ihr Fahrwerk ?

Yep! Wir haben alle 4×4 mit adaptiver Fettfederung.

Allrollschinkli-Antrieb ist super für die Traktion, oder?

Quiek … absolut, wobei der Untergrund für Racing-Säuli eine grosse Rolle spielt.

Inwiefern?

Auf geschneltzeten Holzspänen und Kies sind wir deutlich langsamer. Da ist es sauglatt und saumässig schwer, Grip aufzubauen und die Klauen ins optimale Temperaturfenster zu bringen. Gras und Sägemehl dagegen sind saugeil, da gehts volle Kanone ab …

Wo liegen die Höchstgeschwindigkeiten in der Formel Schweins?

Einige von uns erreichen locker 20 bis 25 km/h … das wird dann manchmal schweineeng in der Kurve; von wegen Fliehkräften usw!

Sind Sie schon einmal in die Leitplanke geknallt?

Grunz … fast alle von uns haben das schon erlebt. Das kann heftig aufs Kotelett und Filet knallen, aber gibts halt immer wieder. Schliesslich sind wir in einer Risikosportart unterwegs, da muss man schon mal den inneren Schweinehund überwinden!

Haben Rennsäuli Setup-Möglichkeiten, um Abtrieb oder Aerodynamik zu optimieren?

Yes! Der Ringelschwanz ist eine Art Diffusor, der den Luftstrom stabilisiert und die stinkenden Auspuffgase in die gewünschte Richtung ableitet. Abgesehen davon wirken die Ohren, man sagt übrigens auch Prussiens dazu, wie Flaps – Flügel also. Flach in den Wind gestellt geht es ab wie eine gesengte Sau, bei einem Anstellwinkel von 30 Grad maximiert sich der Anpressdruck und das Lenkverhalten in der Kurve.

Und Hunden werden Schweineohren als Kauartikel und zur Zahnreinigung verfuttert?

Da sehen Sie, die kläffenden Teppichporsches fressen filigranstes Hightech!

Und wie sieht es punkto Reifenwahl aus?

Wir wetzen immer mit Slicks durch die Gegend. Es gibt noch keine taugliche Spikes auf den Markt. Man arbeitet am Model Varken, ist holländisch und heisst Sau, aber das ist noch inoffiziell, ... pssst!

Es gibt immer wieder Aktivisten, die auch immer wieder drohen, an der HESO gegen Säulirennen zu protestieren. Die sprechen von missachtetem Tierwohl und so?

Ich glaube, mein Schwein pfeift. Was haben die denn geraucht? Frisierte Magic Mushrooms (quiek)? Ein Leben als Rennsäuli ist doch voll knusprig, rassig und scharf.

Wieso?

Schauen Sie: Normalerweise ist unser Leben ziemlich, sorry, verschissen. Wir werden von der Geburt bis Ende 7–8 Monate alt. In der Zeit legen wir 120 bis 140 kg zu – immerhin! Zwei Monate des Lebens privilegiertes Formel-Schweins-Schwein zu sein – das ist doch ein reich erfülltes und Leben. Schwein gehabt sage ich da!.

Mögen Sie es, ein Star zu sein?

Wir können unseren natürlichen Bewegungstrieb und die Lust, Neues zu entdecken, beim Racing voll ausleben. Wir dürfen vor Publikum auftreten, werden beklatscht, bestaunt, bewundert, grunzen Interviews etc. Das macht schon ein bisschen süchtig. Nach einer Gewöhnungsphase an das Mäntelchen mit der Startnummer, das kitzelt am Anfang saumässig (quiek … ), ist jede Sau stolz, wenn sie das Logo ihres Sponsors tragen darf. Ist so!  Besonders an der HESO.

Wieso an der HESO besonders?

Grunz … weil wir an der HESO volle 10 Tage in Solothurn bleiben dürfen. Da gibt es einen eigenen Stall mit Bewachung. Wir sind quasi on Tour wie eine Rockband oder millionenteure, umhätschelte Concours-Pferde. Welches Säuli kann sich denn schon einmal fühlen wie ein De-Luxe-Rössli?

Apropos. Was halten Sie von der Massentierhaltungsinitiative, über die wir hier in der Schweiz abstimmen und die primär will, dass die Anzahl Hühner, Schweine  der Kühe im Stall reduziert wird, damit tiergerechter Platz geschaffen wird?

Grunz … wer hat das denn initiiert – der Hascholetten-Qualmer mit den Mushrooms von vorhin …quiek? Doof, dann wird das Schweineleben ja noch öder. Wissen Sie, wir sind berührungsoffensive Herdentiere und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Im Rennen ist oft Vollkontakt angesagt. Nix von Tussi meets Tussi – da gehts voll ran an den Speck!

Was halten Sie vom Begriff: Dumme Sau?

Es gibt eine Kollegin im HESO-Team 2022, die ist wirklich eine dumme Sau (...quiek!). Vielleicht ist sie aber auch das Gegenteil? Jedes Mal unmittelbar nach dem Start taucht sie nach 2 Metern unter dem Weideband innen durch und kürzt den Weg ins Ziel voll ab. Nach dem Motto: Wieso in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Der kann man unmöglich beibringen, dass sie zuerst eine Runde zum Trog laufen soll!

Am GP HESO rennen Männlein und Weiblein gemixt, etwa 50:50. Haben die Kerle keinen Vorteil?

Nein, die Typen sind kastriert. Das macht sie zwar nicht gerade zu Himbeerbubis, aber keine Sau hat dadurch einen Nachteil punkto Performance!

Bleibt zwischen den Rennen Zeit, sich die HESO-Stände anzusehen?

Ja; da gibt es viel Sauglattes zu sehen ….. Heso Pasta, Sutteria oder Whirlpool Paradies mag ich besonders; Keine 1000 Schweine bringen mich dagegen an den Stand von Grilland.ch oder Grillspezialitäten Chutz!

Sie stammen wie die HESO-Säuli vom Racing Team Bronnehof aus Scherz. Gab es da auch schon Paparazzis, die sich im Hinblick auf die Rennen sprich Wetten mit Informationen eindecken wollten?

Ja, aber es gibt nichts herauszufinden. Teamchef Vogt sagt, er könne unmöglich sagen, wer von uns welches Rennen gewinnt oder wer als Topfavorit an den Start geht. Das hänt enorm von Tagesform, Witterung, Bodenverhältnissen, Renneinteilung etc. ab, sagt er.

Und, wie sehen Sie das?

Ich möchte hier keine dicke Rippe riskieren, aber es gibt schon saugute Cracks – «look at me!» … grunz!

Was tanken eigentlich Rennschweine?

Wir saufen nur Wasser, fassen zweimal täglich eine Weizenmischung – Gersten, Weizen, Roggen und hie und da Äpfel … wie heizen also voll biologisch und Co2-neutral durch die Botanik.

Ihre Artgenossen nehmen 800 bis 1000 Gramm täglich an Gewicht zu. In der Formel Schweins ist das anders?

Die Kolleginnen und Kollegen auf dem Feld dürfen fressen, so viel sie wollen – und die wollen ständig. Wir Rennschweine kriegen zweimal am Tag und achten während der Saison auf die Linie. Puddingdampfer und Schweinchen Dicks mit Weizenspoiler haben in der Formel Schweins keine Chance.

Und wenn sie dann nach der Karriere auch auf die Weide kommen, was passiert dann? Rennen sie weiter?

Nicht wirklich … Nein, dann sind wir Machos und Models auf dem Bitz. Die Schweins-Bachelors und – Bachelorettes quasi ...quiek! Alle Weiber und Kerle fliegen auf uns, wenn wir mit unseren knackigen Keulchen, definierten Filets und entzückenden, saftigen Hohrücken auftauchen und von den Rennen erzählen. Ein Rudel von Miss Piggys und Mister Porkys sozusagen … quiek, quiek!

Gibt es auch Nachteile, ein   pensioniertes Rennschwein zu sein?

Ja, leider! Ein Ex-Rennschwein steigt viel schneller und einfacher in den Lastwagen der letzten Reise ein als die anderen. Die Porky-Racer denken: Yes, jetzt geht’s wieder auf Tour! Tja, saudumm gelaufen. Wie sagt der brasilianische Schriftsteller Paul Coelho: «Wenn Du glaubst, das Abenteuer sei gefährlich, versuche Routine. Sie ist tödlich.»

Egal wie erfolgreich ein Rennschwein war, verschont wird niemand?

Vielleicht etwas ungerecht, aber ja, ist so. Bei uns nicht. Man hat auch schon versucht uns zu kaufen.

Aber der Boss wollte nicht?

Wenn jemand unbedingt will und zahlt, würde er wohl schon … Aber, er will auch keine Extrawürste aus Fleisch ehemaliger GT-Schweine fabrizieren und die als eigenen Brand verkaufen. Obwohl man ihm das schon angeboten hat und sich das wohl rentieren würde. Aber das geht ihm zu weit. Freilich gab es auch schon mal einen Sponsor, der einen von uns kaufen und am Firmenfest der Belegschaft zum Frass vorwerfen wollte. Stellen Sie, das einmal vor – so ein Schweinehund!

Das muss ja ein richtiger Looser von Rennsäueli gewesen sein, den man da zu Schnitzel und Gehacktem verarbeiten wollte?

Blödsinn. Auch wer beim Wetten an der HESO nicht gewinnt, kann mit seinem Wettschein oft am Stand des Sponsors noch ein Goodeli abholen. Ein Praliné, ein günstiges Bier oder sowas.

Zum Schluss noch ein Tipp vom Meisterschwein – worauf kommt es an, um an der HESO zu gewinnen?

Kein Schwein gewinnt ohne Schwein. Das ist bei uns genau gleich wie bei den Menschen.

Interview Michael Schenk