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Erstalbum von Sorgäching ist in der Produktion

«Mich selbst in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen, war mein bisher bester Entscheid»


Dominic Tschanz alias Sorgäching steht vor dem Release seines ersten Albums.

Nach fast drei Jahren Auszeit kehrt der Solothurner Rapper Dominic Tschanz alias «Sorgäching» mit einem brandneuen Projekt zurück ins Musik-business. Als Kopf der Woche spricht er u. a. über Wortspiele, seinen Start als Rapper, den neuen Produzenten Sergio Fertitta, grätschende Rollatoren, Stephan Eicher und Seven sowie ein Handy-Verbot bis 14 und ein Smartphone-Verbot bis 16.

Dominic, Du tritts seit jeher  als Rapper «Sorgäching»  auf – Nomen est omen?

Sagen wir’s mal so: ich war ein äusserst sprachoriginelles Kind. Ich musste ständig die Wörter, welche meine  Lehrerinnen und Lehrer brauchten, auseinandernehmen und Wort- spiele daraus machen. Das hat der  einen oder anderen Lehrperson nicht gefallen. Ich bin also schon auf- gefallen, ja.

Und heute mit 34?

Ich kann definitiv noch immer anecken. Ich bin sehr direkt, das führt manchmal zu Schwierigkeiten. Seit ich die 30 hinter mir gelassen habe, ist es aber etwas einfacher – möglicherweise das Alter. Wenn es für mich in einer Umgebung nicht stimmt, möchte ich das auch anmelden dürfen und gegebenenfalls gehen. Für mich hat das  etwas mit Selbstschutz und Authentizität zu tun, sich selbst einzugestehen, wenn es besser ist, eine Situation  zu verlassen.

Würdest Du dich als Freigeist bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall!

Warum hast Du dich zu  Beginn deiner Karriere für  Rap entschieden?

Könnte ich singen, würde ich vermutlich nicht rappen. Aber Spass beiseite, ich war von klein auf musikalisch sehr offen. Ich spiele Schlagzeug und meine Eltern sagten mir immer wieder, ich könne sehr gut erzählen und texten. Schlagzeug, also Rhythmik, plus Texte erzählen, ergibt Rap. Ausserdem hat mein Bruder Rap gehört und mich quasi «angesteckt».

Was macht ein Rapper  während Corona?

Ich habe diese Zeit gut genutzt und ich bin ja nicht nur Musiker. Während der Pandemie arbeitete ich sehr viel im Inselspital, wo ich als Fachmann Gesundheit fungierte. Mittlerweile arbeite ich aber in einem Wohnheim mit psychisch beeinträchtigten Menschen.

Und was die Musik betrifft?

Was die Musik betrifft, habe ich mich während dieser Zeit von meinem ehemaligen Produzenten getrennt. Ich brauchte Ruhe und wollte mich eine Zeit lang aus dem Business zurückziehen, zu mir selbst finden. Das ist mir in den vergangenen zwei, drei Jahren zum Glück auch gelungen, was mir die Möglichkeit gab, mein musikalisches Schaffen zu überdenken und mich für neue Wege zu öffnen. Ich bin sogar wieder einmal dazu gekommen, selbst an Konzerte zu gehen. Dabei habe ich neue Inspiration gefunden.

Sonst noch eine «Neuerung» aus dieser Zeit?

Ebenfalls in diese Zeit fiel die Entscheidung, mit meinem neuen Produzenten Sergio Fertitta zusammenzuarbeiten – eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe – immerhin arbeitete er schon mit Grössen wie Shaggy, Bligg, Snoop Dogg und Coolio.

Wie kam es zu dieser  Zusammenarbeit?

Sergio interessierte sich schon vor ca. vier Jahren für eine Zusammenarbeit mit mir. Schon damals hätte ich sein Angebot gerne angenommen, die Zeit war aber einfach noch nicht reif dafür. Ich musste mich erst einmal hinterfragen, was denn meine musikalischen Ziele sind, wo ich eigentlich hinmöchte. Ebenfalls musste ich mir darüber klar werden, ob ich mir in Zukunft musikalisch etwas vorschreiben lassen möchte oder ob ich selbst über mein künstlerisches Wirken bestimmen will.

Und wie ging es dann weiter?

Meinen Rückzug von der Bühne habe ich auch dafür genutzt, ganz so wie früher, zu Hause auf dem Sofa zu verschiedenen Beats Songs zu schreiben und so wieder zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Schliesslich entschied ich mich dafür, mich wieder bei Sergio zu melden, hatte aber erst etwas Schiss, dass er mittlerweile das Interesse an mir als Musiker verloren hatte.

Hatte er?

Nein. Er hat sich über meine Kontaktaufnahme sogar sehr gefreut. Und bei ihm bin ich glücklicherweise sehr frei, was meine Kompositionen betrifft. Mein neuer Sound wird jedenfalls in keine Schublade passen – das gefällt auch meinen Musikern.

Wie steht es denn um Dein Album? Sind schon alle Aufnahmen gemacht?

Die Basisaufnahmen sind abgeschlossen. Was jetzt noch dazukommt, sind verschiedene Vocals, also Gesangsstimmen, sowie diverse Gitarrenparts. Und danach schauen wir, ob es noch mehr braucht. Ebenfalls möchten wir ein bis zwei grössere Namen von Schweizer Musikschaffenden auf dem Album haben, wer das sein könnte, steht aber noch offen.

Hast Du Lieblingstitel?

Grundsätzlich mag ich alle neuen Songs sehr gerne, den einen Lieblingstitel gibt es nicht für mich und sie sind auch sehr verschieden. «Teil vo mir» ist beispielsweise ziemlich autobiografisch. Der Song ist tiefsinnig und dient mir zur Vergangenheitsbewältigung. Aber es gibt auch Gute-Laune-Songs. «Aues okay» sorgt zum Beispiel vor allem  für gute Stimmung und erzählt davon, das Leben nicht allzu schwer zu  nehmen.

Und wann soll das Ganze fertig sein?

Das genaue Release-Datum steht noch nicht fest, da ist alles noch sehr offen.

Das alles klingt nach viel Zeit und Arbeit, die Du in die Musik investierst.

Das mag schon sein. Aber während andere ihre Zeit und ihr Geld in Reisen oder in teure Hobbys stecken, mache ich halt Musik. Musik ist sozusagen meine Art zu reisen.

Was steht auf Deiner Bucket List?

Einen Punkt auf meiner Liste kann ich bald abhaken. Ich wollte immer ein Musikalbum machen, dafür habe ich hart gearbeitet. Dieses ist nun, wie schon gesagt, in Produktion. Danach steht das Entdecken von anderen Kulturen und Ländern auf meiner Liste. Ich würde mich auch gerne beruflich selbstständig machen. Dafür müsste ich aber nochmals die Schulbank drücken, worauf ich gegenwärtig schlicht und einfach keine Lust habe.

Mit welchen drei Musikern würdest Du gerne auf der Bühne stehen?

Musikalisch interessant wären für mich auf jeden Fall Stephan Eicher, Seven oder Irina Mossi. Da gibt es allerdings noch viele andere.

Gabs eine wichtigste Entscheidung bisher in deinem Leben?

Die wichtigste Entscheidung, die ich bisher getroffen habe, ist mich selbst in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen. Seither ist es mir gleichgültiger, was andere von mir denken. Es lebt sich einfacher mit einem gesunden Mass an Gleichgültigkeit.

Wie sehr ist der Klimaschutz für Dich ein Thema?

Der Klimaschutz sollte ein Thema für uns alle sein. Wir leben alle auf dem gleichen Planeten und wir haben nur diesen einen. Selbst wenn wir einen weiteren hätten, wäre es Mutter Natur gegenüber nur anständig, wenn wir uns ihr entsprechend darauf bewegen. Ich selbst nutze den einfachen Weg. In meiner Wohnung brennt nur Licht, wo es benötigt wird, und Wasser läuft nur dann, wenn es gebraucht wird. Ich versuche Abfall zu vermeiden und entsprechend zu entsorgen. Dann kommt noch dazu, dass ich den ÖV, mein Velo oder meine Füsse benutze und nur als Bei- oder Mitfahrer im Auto sitze. Zudem habe ich nur wenige Flüge gebucht und versuche das auch so beizubehalten. Mir ist aber auch bewusst, dass alles, was wir tun, ohne die kräftige Mithilfe von Ländern wie China, USA oder auch Indien eine wirkungslose Kleinigkeit ist.

Was macht Dich wütend?

Hunger und wenn mich jemand vor dem ersten Kaffee anspricht. Aber auch alte Menschen, die mir am Kiosk mit ihrem Rollator ungeduldig in die Hacken grätschen oder sogar vordrängeln, sowie Leute, die beim Bus oder Zug einsteigen, bevor überhaupt jemand aussteigen konnte.

Was würdest Du verändern, wenn du König der Schweiz wärst?

Ich würde vermutlich als Erstes die finanziellen Verhältnisse grundlegend anpassen. Sowas wie Managerlöhne senken und ihre Bonis streichen, dafür in die Löhne von Pflege- und Betreuungspersonal investieren. Handy-Verbot bis 14, Smartphone-Verbot bis 16, SVP-Buräzmorgä nur noch am 29. Februar. Ich muss aber auch sagen, ich würde mich selbst nicht in dieser Position sehen wollen …

Was ist Glück für Dich?

Glück ist ein Gefühl oder ein Gefühlszustand. Es ist etwas, das ich jedem Menschen wünsche und in erster Linie mir selbst.

Interview: Denise Donatsch